Freiwillige Feuerwehr Oestrich

 

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Chronik:

Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!

Getreu diesem Wahlspruch der Feuerwehren gibt es in der Freiwilligen Feuerwehr Oestrich seit über hundert Jahren Frauen und Männer, die ehrenamtlich und uneigennützig bereit sind, Tag und Nacht ihre Freizeit zu opfern, um Schaden von den Mitbürgerinnen und -bürgern sowie deren Eigentum abzuwenden. Das gilt bei Brandbekämpfungen ebenso wie bei den sonstigen Hilfeleistungen.

"Bei Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr Oestrich verpflichte ich mich durch Handgelübde und durch Unterzeichnung dieses Gelöbnis-Scheines zur vollkommenen Erfüllung der übernommenen Verbindlichkeiten, zur genauen Verfolgung der Satzungen und Dienstvorschriften, insbesondere zum Gehorsam gegen die Vorgesetzten und zu williger und gewissenhafter Ausführung aller mir aufgetragenen Dienstleistungen."

Diesen Gelöbnis-Schein mussten die Feuerwehrkameraden aus Oestrich unterschreiben, die vor über 100 Jahren in eine Gemeinschaft eingetreten sind, der die freiwilligen Brandbekämpfung auferlegt war, wie es in der Oestricher Chronik zu lesen ist.

Umfangreiche feuerpolizeiliche Verordnungen finden sich erstmalig 1602 in Oestrich. Schultheiss und Rat bestimmten die zwölf Schröter, die sonst die Weinfässer aus den Kellern und wieder hinein zu befördern hatten, zu Feuerläufern. Bei Ausbruch eines Feuers mussten sie mit den Ledereimern zur Brandstätte eilen. Brannte es ausserhalb des Ortes, so sollten sich die Männer beim Schultheiss abmelden.

Die Basis für die Gründung der heutigen Feuerwehren im Rheingau wurde bereits 1775 bis 1780 nach der Anschaffung einer Feuerspritze durch den damaligen Oberschultheissen Baldner aus Eltville in einer Feuerordnung erlassen. Trotzdem erfolgte erst 122 Jahre später in Oestrich der Versuch, die bis dahin von Amts wegen zum Brandschutz eingesetzten Männer in einer Gemeinschaft zu organisieren. Dieser Versuch schlug wieder fehl.

1904 - Das Geburtsjahr
Doch 1904 war es in Oestrich dann endlich soweit: Am 27. März wurde in einer Versammlung im Gasthaus Zur Linde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Hess und des Bürgers Ignaz Schwarz die freiwillige Feuerwehr Oestrich gegründet. 36 Bürger verpflichteten sich zum Eintritt in die Wehr und wählten den Mitbegründer Ignaz Schwarz zum ersten Kommandanten. Das erste Eingreifen der Oestricher Feuerwehrmänner erfolgte schon kurz nach der Gründung, als in der Gemarkung Hallgarten ein Waldbrand entstand.

Die Feuerwehr während der Weltkriege
Im ersten Weltkrieg wurden die Reihen der Feuerwehrkameraden stark gelichtet. Während der entsetzlichen vier Jahre des Völkermordens rückte die Feuerwehr fünfmal zu Hilfeleistungen und Brandbekämpfungen aus.

Auch der zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an den Aktiven vorüber.Vor allem nach den Bombenangriffen auf Rüdesheim am Katharinentag 1944 (25. November) waren die Oestricher Feuerwehrleute bei Aufräumarbeiten eingesetzt, ebenso aber auch in Darmstadt und Frankfurt. Natürlich blieb auch Oestrich nicht von den Kriegshandlungen verschont. Während und unmittelbar nach dem Krieg gab es für die Feuerwehrmänner alle Hände voll zu tun.

Die Nachkriegszeit und der Boykott
Am 1. Mai 1955 drohte die Freiwillige Feuerwehr Oestrich den Brandschutz niederzulegen, wenn nicht mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses begonnen würde. Dieser Beschluss des Vorstandes wurde ein Jahr später in der Mitgliederversammlung bekräftigt. Zu dieser Zeit waren die Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehr völlig unzulänglich im Oestricher Rathaus am Markt untergebracht. Das massive Vorgehen der Wehr hatte dann schliesslich Erfolg.

Katastrophen
Katastrophen machen auch vor Fest- und Feiertagen keinen Halt und holen die Einsatzkräfte aus ihrer Ruhe. Noch im Gedächtnis ist den Älteren der Brand des Hauses Bungert in der Dillmannstrasse am Heiligen Abend des Jahres 1957. Aber auch der Kirchturmbrand am 22. Dezember 1963 ist noch vielen in schrecklicher Erinnerung. Das Feuer nach einem Kirchenkonzert war der Anfang einer Serie von Bränden, die die Einwohner von Winkel, Mittelheim und Oestrich beunruhigten. Durch die Brandstiftung eines Feuerteufels wurden unter anderem die Turnhalle in Oestrich zertört und das Graue Haus in Winkel in Mitleidenschaft gezogen.

In den Folgejahren widmeten sich die Verantwortlichen in starkem Masse der Aus- und Fortbildung. Auch wurden die Gerätschaften und Ausrüstungsgegenstände sowie die Fahrzeuge ergänzt, erneuert und stets auf dem neuesten Stand gehalten. Der Vorstand mühte sich stets um Nachwuchs für die Einsatzabteilung, damit auch in Zukunft die Leistungsstärke der Mannschaft und die Schlagkraft der Einsatzabteilung gewährleistet ist. Im Jahr 1994 konnte die Freiwillige Feuerwehr Oestrich ihr 90jähriges Bestehen feiern. Das geschah mit einer Vielzahl von Aktivitäten, wobei es festzustellen gilt, dass die Kameradschaft der Oestricher Wehr gross geschrieben und die Geselligkeit gepflegt wird, ob beim traditionellen Tag der offenen Tür anlässlich des Oestricher Dippemarktes, bei Fastnachtsaktionen, bei den Frühschoppentreffs bei Oestricher Vereinen oder auch bei anderen Gelegenheiten.

Der 100. Geburtstag
Im Jahr 2004, genauer gesagt an Pfingsten feierte die Wehr bei bestem Wetter und in bester Laune ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. Das Fest war ein voller Erfolg. Vom Erlös und mit Spendengeldern konnte eine Wärmebildkamera für über 15.000 Euro angeschafft werden.

Das neue Fahrzeug
2008 war es nun endlich soweit, nach mehrmonatiger Planung konnte endlich die neue DLK (Drehleiter mit Korb) in Dienst gestellt werden, die die alte Drehleiter nach über 30 Jahren ablöste. Bereits 2 Jahre zuvor wurde ein Mannschaftstransportfahrzeug mit Hilfe von Vereinsgeldern beschafft, welches nicht nur für den Verein und die Jugendfeuerwehr fährt sondern auch bis Herbst 2009 inoffiziell als Florian Oestrich 19 den ein oder anderen Einsatz begleitet hat uns seit Herbst 2009 mit einem eigenen Funkgerät ausgestattet ist.

Der Nachwuchs ...
seit 2005 verfügt die Wehr über eine Jugendfeuerwehr für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren, sie entstand aus der bisherigen Jugendabteilung in der lediglich Jugendliche ab dem 17. Lebensjahr aktiv waren.

Jede Woche an einem Dienstag finden Übungsstunden im Feuerwehrgerätehaus statt. Nähere Informationen gibt es hier.

Eigenleistungen der Wehr
Bereich Atemschutz:
Als 1969 das neue LF 8 eingeweiht wurde, hat auch gleichzeitig der Atemschutz in der Feuerwehr 'richtig' Einzug gehalten. Auf dem Fahrzeug waren 4 Pressluftatmer DA58/1600 von Dräger im Mannschaftsraum verlastet. Die Reinigung der Masken erfolgte bis 1994 bei unserem Atemschutzgerätewart Werner Kühn. Das hiess für die Familie 'Bad blockiert', denn hier wurde gereinigt, desinfiziert und geprüft. Erst ab 1994, als Werner Kühn sein Amt an den neuen Atemschutzgerätewart Siegward Idstein und dessen Stellvertreter Dirk Kühn abgibt, wird die Bitte nach einer Atemschutzwerkstatt im Gerätehaus dem Vorstand zugetragen. Die Wartung der Masken erfolgte nun in der Teeküche und im Vorstandsraum. Da die Stadt kein Geld hatte, wurde beschlossen, im Keller des Feuerwehrgerätehauses einen kleinen Raum dafür selbst in Eigenleistung auszubauen. In Eigenarbeit erstellten Siegward Idstein und Dirk Kühn die Atemschutzwerkstatt mit kleinen Hilfeleistungen von zwei ortsansässigen Unternehmen. Die halfen die ungleichmässigen Wände zu richten sowie eine Tür und ein Thermofenster zu setzen. (Übrigens: Die Gemeinde hat das Fenster bezahlt, da es 'fest' zum Gebäude gehört!) Danach wurde der Raum selbst gefliest und eine Küchenzeile als Arbeitsfläche eingebaut. Die Bauzeit von über 100 Stunden zog sich fast ein Jahr lang hin, da alles nur Samstags und an manchen Übungsabenden gemacht wurde. 1996 konnte die Atemschutzwerkstatt eingeräumt und ihrer Bestimmung übergeben werden.

Umstellung von Normal-/ auf Überdruckgeräte:
Als feststand, dass im Frühjahr 1996 das neue LF 8/6 G (G = Gefahrgutausrüstung) für das alte LF 8 kommt, wurde beschlossen den Atemschutz auf Überdruckgeräte umzustellen. In der Übergangsphase wurde auf beiden Systemen ausgerückt. Im TSF befanden sich 4 Pressluftatmer PA 80 mit Normaldruck, im neuen LF 8/6 G 4 Pressluftatmer PA 94 mit Überdruck. Diese Situation bestand fast ein halbes Jahr bis die PA 80-Geräte auf Überdruck umgerüstet waren und genügend neue Futuramasken angeschafft wurden. Mit dem neuen LF 8/6 GG kam noch eine Neuerung auf die Atemschutzgerätewarte zu und zwar Chemikalienschutzanzüge. Durch Fortbildung und Lehrgänge können die beiden Atemschutzgerätewarte jede Prüfung an Masken, Geräten und Chemikalienschutzanzügen selbst durchführen. Dazu wurde das in den 80er Jahren selbst gekaufte gebrauchte Matter-Maskenprüfgerät 1996 bei der Firma Dräger mit einem neuen Manometer versehen. Auch die Prüfberichte und Prüfkarten wurden auf den neuesten Stand gebracht.