Die Geschichte des Rheingaukreises

 

Die früheste Besiedlung erfolgte in der Zeit der Bandkeramiker und später in der Hallstadtzeit. Eine Besiedlungsverdichtung ist in der Zeit der römischen Besetzung im 2. Jahrhundert n. Chr. zu beobachten. Erste urkundliche Erwähnungen von Ortschaften datieren um 770 n. Chr. (Walluf). Der Rheingau entlang des Rheinknies von Walluf bis Lorch war von 983 bis 1803 Kurmainzer Hoheitsgebiet und kam dann zum Herzogtum Nassau. In Folge des Deutschen Krieges von 1866 wurde Nassau von Preußen annektiert. Es entstand die Provinz Hessen-Nassau. 1867 wurde die Provinz in Kreise eingeteilt und es entstand so der Rheingaukreis.
Am 22. Februar 1867 wurde der damals neu gebildete Regierungsbezirk Wiesbaden in 12 Kreise aufgeteilt, darunter auch in den Rheingaukreis, bestehend aus den Ämtern Braubach, St. Goarshausen, Rüdesheim und Eltville mit Rüdesheim als Kreisstadt.
Die neue Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau wurde am 7. Juni 1885 festgelegt und trat am 1. April 1886 in Kraft.
Sie brachte unter Aufhebung der Ämter die Neubildung der Kreise und die Einrichtung der Selbstverwaltung, wie sie in den sechs östlichen Provinzen Preußens bereits seit dem 1. Januar 1884 Geltung besaß.
1893 sprach sich der Kreistag für einen Kreishausbau in Rüdesheim aus. Die Kreisverwaltung befand sich zuvor in dem Amtshaus, dem heutigen Staatsweingut in der Schmittstraße.
Am 23. September 1895 wurde der Neubau, der 135042 Mark kostete, bezogen.
In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden viele Kreistagsbeschlüsse verwirklicht, wie z.B. der Ausbau der rechtsrheinischen Uferstraße, der Neubau des Vizinalweges von der Wisperstraße nach Presberg sowie der Hausanschluß von Wasserleitungen für die meisten Gemeinden im Rheingau.
Am Katharinentag 1944 wurde Rüdesheim während eines Luftangriffs, bei dem rund 220 Menschen ums Leben kamen und 63 % der Stadt völlig zerstört wurden, u. a. auch das Landratsamt, in einen einzigen Ruinenhaufen verwandelt
Man war froh, daß die wenigen Dienststellen wie Wirtschafts- und Ernärungsamt noch aufrecht erhalten werden konnten.
Im Frühjahr 1945 übernahm die amerikanische Militärregierung mit Sitz im Hause Asbach die Amtsgeschäfte und beauftragte Leopold Bausinger mit der Leitung der Landratsdienstgeschäfte.
Am 18. Juni 1945 löste der spätere Staatssekretär im Bundesvertriebenenministerium, Dr. Paul Nahm, Leopold Bausinger in den Amtsgeschäften des Landrats ab.
Sein Nachfolger wurde am 1. Juli 1946 der damalige Bürgermeister von Johannisberg, Hans Wagner, der dieses Amt bis zum 1. November 1946 wahrnahm.
Am 2. November 1950 übernahm Leopold Bausinger sein ihm aufgrund einstimmig erfolgter Wahl des Kreistags übertragenes Amt.
Von den Aufgaben des Kreises in dieser Zeit seien beispielhaft nur folgende erwähnt: Wiederaufbau des Berufsschulwesens, Flüchtlingsbetreuung, Beschaffung von Arbeitsplätzen, Ansiedlung von Indurstrie, Förderung von Weinbau, Obstbau, Gartenbau und Landwirtschaft, Förderung des Fremdenverkehrs, Ausbau der Landstraßen, Aufbau der neuen Kreisverwaltung, Gründung der Kreisbaugenossenschaft, des Kreisbildungswerks und anderer Einrichtungen, ausbau des Gesundheitswesens, Wiederaufbau Jugendpflege, Ausbau der Rheingauschule, Gymnasium, Bau des Kreisjugendheimes in Assmannshausen und eines Flüchtlingsheimes in Rüdesheim, Förderung des Wohnungsbaus.
Am 2. Juli 1965 wurde der Bürgermeister der Rheingauer Kreisstadt Rüdesheim, Klaus Dinse, als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Leopold Bausinger zum Landrat des Rheingaukreises gewählt.
Nach elfjähriger Tätigkeit des letzten Landrats des selbständigen Rheingaukreises endete seine Amtszeit mit der Gebietsreform am 1. Januar 1977.
Am 1. Januar 1977 vollzog sich rechtlich die Bildung des Rheingau-Taunus-Kreises. Er setzt sich zusammen aus dem ehemals selbständigen Landkreisen Rheingau und Untertaunus.
Parlamentarisch wurde die kommunale Gebietsreform für diesen Teil Hessens mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Neugliederung des Rheingaukreises und des Untertaunuskreises vom 26. Juni 1974 (GVBl. I Seite 312) abgeschlossen.
Der neugeschaffene Kreis hatte bei der Bildung ca. 150.000 Einwohner, von denen rund 87.000 aus dem ehemaligen Untertaunuskreis und rund 62.000 Einwohner aus dem ehemaligen Rheingaukreis stammten.
Beide Kreise hatten im Jahre 1968 zusammen 113 kreisangehörige Städte ung Gemeinden; zahlreiche freiwillige Zusammenschlüsse und Eingliederungen hatten diese Zahl im Laufe der Jahre verringert. Mit Inkrafttreten des Neugliederungsgesetzes bestand der Rheingau-Taunus-Kreis nur noch aus 17 kreisangehörigen Gemeinden.
Durch die Gebietsreform kam es zur Schaffung leistungsfähiger kommunaler Einheiten.
Bei der Zusammenlegung der beiden Landkreise mußten allerdings Konzessionen eingegangen werden. So wurde z.B. als Ausgleich für die verlorene Kreisstadt Rüdesheim das Kfz-Nummernschild des ehemaligen Rheingaukreise "RÜD" für den neugeschaffenen Kreis übernommen.
Bis zur Wahl des Landrats für den Rheingau-Taunus-Kreis übernahm der damalige Landrat des Untertaunuskreises Karl-Heinz Becker kommisarisch die Dienstgeschäfte für den neugeschaffenen Kreis.
Am 20. Juni 1977 wurde der Landtagsabgeordnete Heribert Märten vom Kreistag zum ersten Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises gewählt. Dieses Amt hatte er bis zum 19. Juni 1983 inne. Am 22. Januar 1981 wurde das neue Kreiswappen genehmigt.
Sein Nachfolger wurde der Leitende Stadtrechtsdirektor der Stadt Krefeld, Heribert Dietz. Landrat Dietz leitete die Amtsgeschäfte bis zum 1. November 1989, dem Dienstantritt des ehemaligen Oestrich-Winkeler Bürgermeisters Klaus Frietsch. 1999 wurde Klaus Frietsch von Bernd Röttger abgelöst. Seit dem 5. Juli 2005 ist Burkhard Albers Landrat.

Landschaft

Die landschaftlich reizvolle Region ist dreigeteilt:
Direkt am Rhein befinden sich flach abfallende, lössbedeckte Weinberge, malerische Dörfer und berühmte Weingüter. Die alte Kulturlandschaft besitzt viele historische Burgen, Schlösser, Kirchen und Klöster, die den Rheingau auch für den Tourismus attraktiv machen.
Oberhalb der Weinberge geht der Rheingau in das so genannte Rheingaugebirge mit dem Hinterlandswald über. Der Quarzitrücken mit der höchsten Erhebung des Rheingaus, der Kalten Herberge (619 m), einer bewaldeten Kuppe oberhalb von Hallgarten, fällt mit vielen kleinen Bachtälern ab ins Wispertal. Diese Landschaft mit Schluchtwäldern, Hochmooren und Wiesenbächen eignet sich hervorragend zum Wandern. Hier kann man auf vielen Kilometern stundenlang unterwegs sein, ohne außerhalb der wenigen Ortschaften jemanden zu treffen. Dies ist eine Seltenheit im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet.
Zwischen Rüdesheim und Lorch drängt sich der Rhein zwischen hohen, bewaldeten Bergrücken in Richtung Norden. Dieser Abschnitt des Mittelrheintals – Inbegriff der Rheinromantik zu Goethes Zeiten – ist geprägt durch Felsgruppen, Trockenwälder und kleinere Weinbaugebiete, die an die Ortschaften angrenzen. Hier gedeihen einige der besten Weine Deutschlands; ein berühmter Name ist der Assmannshäuser Höllenberg. Um die Landschaft zu erkunden, wandert man am besten entlang der gut ausgeschilderten Wanderwege mit den klingenden Namen Rheingau-Riesling-Route, Rhein-Burgen-Wanderweg, Rheinhöhenweg oder Rheinsteig.

Klima

Das Klima im Rheingau ist geprägt durch trocken-warme Sommer und milde Winter. In den Ortslagen nahe dem Rhein wachsen in den Gärten mediterrane Gehölze (Feigenbäume, Oliven, Aprikosen und Pfirsiche), an den Rhein-Steilhängen herrscht eine an die Trockenheit angepasste Vegetation vor. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen in den Sommermonaten liegen bei über 19 °C, im Winter selten unter 1 °C. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt zwischen 450 mm in einigen Orten am Rhein und über 1000 mm auf der Kalten Herberge.

Böden

Der Rheingau umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Böden. Man unterscheidet im Wesentlichen:
Böden aus Löss und Lösslehm: diese Böden sind am weitesten verbreitet - alle Lagen des östlichen und mittleren Rheingaus und die tieferen Lagen von Lorch.
Böden aus Quarzit ("Taunusquarzit"): höhere Lagen des östlichen und mittleren Rheingaus sowie bei Lorch.
Böden aus Tonschiefer ("Hunsrückschiefer") und aus Phyllit: ersterer in Rüdesheim am Rüdesheimer Berg und Lorch, letzterer in Assmannshausen, Kiedrich, Martinsthal und Rauenthal.
Böden aus Sanden, Tonen und Tonmergeln des Tertiärs: verbreitet in allen Weinbaugemeinden zwischen Wicker und Rüdesheim.
Böden aus jungen Schwemmsedimenten: verbreitet in den tiefen Lagen von Rhein und Main.

Weinbau

Die klimatischen Bedingungen begünstigen den Weinbau, der in der Region schon zur Zeit Karls des Großen betrieben wurde. Rheingauer Weine, insbesondere der Rheingauer Riesling, genießen einen Spitzenruf in aller Welt.

Rebfläche, Rebsorten und Weinstile

So herausragend der Rheingau unter dem Gesichtspunkt der Qualität auch ist, hinsichtlich seiner Größe gehört er mit seinen 3100 Hektar Rebfläche zu den kleinsten deutschen Anbaugebieten und rangiert an 7. Stelle. Knapp 2,5% der deutschen Weinernte werden hier erzeugt -insgesamt etwa 20 Millionen Liter Wein pro Jahr, davon 85 % Weißwein. Der Durchschnittsertrag liegt bei 6700 Litern pro Hektar, das ist deutlich weniger als der deutsche Durchschnitt von rund 9500 Litern.
Unter den Rebsorten nimmt der Riesling mit knapp 80% die unangefochtene Spitzenstellung ein, während auf den Spätburgunder rund 12,5 und auf den Müller-Thurgau lediglich 2% entfallen. Die Rieslinge aus dem östlichen und mittleren Rheingau sind, sofern sie von den tiefer gelegenen Lagen auf sandigen Lehmböden stammen, stets voller, kräftiger und im Alter erdiger als jene, die in Rüdesheim auf Schieferverwitterung wachsen. Diese sind eleganter und schillernder. Eine Ausnahme bilden die Weine aus Lorch.

Sehenswürdigkeiten

Der Rheingau zeichnet sich durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus, darunter das Niederwalddenkmal, das Kloster Eberbach, die Schlösser Reinhartshausen, Reichartshausen, Johannisberg und Vollrads, der Oestricher Kran sowie die Altstädte von Rüdesheim (Drosselgasse), Eltville mit der kurfürstlichen Burg und Kiedrich. Im westlichen Teil beginnt das UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrheintal.